Kommunikation

Kommunikation ist das Mittel, mit dem wir uns mitteilen, der Umwelt sagen, was wir denken, fühlen, was in uns los ist, wer wir sind und was für eine Persönlichkeit in uns steckt. Aber ist das wirklich so?

Meistens wägt unser Kopf ab, was passiert, wenn wir sagen, was wir fühlen und denken. Wir haben einen eingebauten Kontrolleur in uns. Leider! Denn der beschneidet uns und macht uns zu freundlichen, netten Grinsmonstern.

Ich habe einen Kollegen, der immer einfach raushaut, was in ihm vorgeht. Sie können sich denken, dass er sich damit nicht gerade zum Beliebtesten unter uns macht, aber wir sprechen alle noch mit ihm und er gehört dazu, wird nicht gemieden. Eigentlich sind wir neidisch auf ihn, weil er das macht, was wir uns nicht trauen und oft spricht er uns allen aus der Seele.

Ich bin von meinen Eltern zu einem freundlichen respektvollen Arschkriecher erzogen worden. Ich scheue Konflikte, weil ich Angst habe, dass meine ganze aufgestaute Wut plötzlich herausplatzt. Alles, was mich schon lange stört und wo ich eine andere Meinung zu habe. Stattdessen tobt die Wut stumm in mir. Das sieht dann so aus, dass ich mich freundlich und bestimmt zurückziehe und in mir das HB Männchen tobt. Kennen sie das noch aus der Zigarettenwerbung aus den 70ern? Wer wird denn gleich in die Luft gehen. Warum eigentlich nicht? Was ist falsch daran zu platzen und alles zu sagen. Wer das schon gemacht hat, der weiß, wie erfrischend es ist und wie gut es tut.

Meine Kollegin, die ihren Weg da schon gefunden hat und eine diplomatische Form für sich entwickelt hat, sagt immer: Entschuldigen kannst du dich hinterher immer noch. Recht hat sie. In mir ist oft die Hölle los, denn ich bin von Natur aus nicht so ein Speichellecker, wie ich durch meine Erziehung geworden bin. In mir lebt ein Terminator, ein Kamikaze, der ab und zu, wenn mein Kontrolleur nicht aufpasst, rauskommt. Das ist dann für viele überraschend und ich werde gefragt, was das denn jetzt war. Das war mein wahres Ich, das ich meistens im Schrank verstecke, weil ich geliebt und gemocht werden will und dazu gehören möchte. Aber wozu eigentlich? Und sind meine beiden Kollegen nicht ein gutes Vorbild und werden trotzdem oder gerade weil sie so sind, wie sie sind, geliebt? Weil du bei ihnen immer weißt, woran du bist. Sie verstecken sich nicht und zeigen ihr wahres Wesen. Dadurch das ich immer meinen Kontrollfreak gewinnen lasse, beschneide ich meine Persönlichkeit und meine Seele, ich tue ihnen weh und Unrecht und ich habe kein Vertrauen in mich selbst. Ich stelle meine Bedürfnisse hinter die von anderen, um die Norm und den höflichen Umgang zu wahren.

Da fällt mir immer eine Szene aus einem Stieg-Larsson-Film ein, der erste Teil als zum Ende der Reporter das Haus des Mörders in dessen Abwesenheit durchsucht, es gerade noch schafft rauszukommen, bevor der Mörder ihn erwischt. Doch der Mörder sieht ihn vor der Haustür und lädt ihn auf ein Glas Wein ein. Weil er höflich ist, geht der Reporter wieder mit hinein. Diese Höflichkeit bezahlt er fast mit seinem Leben. Das ist jetzt vielleicht ein krasses Beispiel, werden Sie sagen, aber was passiert, wenn ich immer nett bin zu anderen und mich nicht lebe?

Ich kann es Ihnen sagen: Sie werden krank, weil Sie sich nicht leben und ständig in sich selbst explodieren. Ich z.B. leide an essentiellem Bluthochdruck, also Bluthochdruck ohne organische Ursache. Der Körper ist gesund und hat keinen Grund so zu reagieren, aber meine Seele ist nicht gesund. Meine Seele regt sich ständig auf, weil ich sie unterdrücke und nicht ernst nehme. Meinen Terminator an die Kette gelegt habe.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht nicht darum, jemanden mit Worten in Grund und Boden zu stampfen. Es geht darum, den Mut zu haben, ehrlich zu sein und für die eigenen Gefühle einzustehen.

Seit 15 Jahren nehme ich nun Tabletten gegen meinen Bluthochdruck und mittlerweile bin ich 51 Jahre alt. Es reicht, ich habe nichts mehr zu verlieren, außer mich selbst.

 

Antworten Sie mir mit einem Kommentar und teilen Sie Ihre Erfahrungen zu diesem Thema. Lassen sie uns streiten und üben aus uns herauszukommen und zu zeigen, wer wir wirklich sind!

Ihre Patricia Kleinau
Dozentin an der Hamburger Heilpraktiker Fachschule

 

 

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